Helfen & verdienen?

Das Geschäft zwischen Solidarität und Sonderangeboten
Ausstellung vom 20.06. – 20.08.2016

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Zur gesellschaftlichen Diskussion über Schutz und Integration hat sich unlängst ein Markt der Möglichkeiten für vermeintliche Bedarfe von Geflüchteten entwickelt, den wir mit dieser Ausstellung und Veranstaltungsreihe kritisch beleuchten.

Anhand von Emails, Akquisematerialien und Hintergrundinformationen wird eine kritische Auseinandersetzung mit der Industrialisierung der Flüchtlingsaufnahme möglich. Die Ausstellung thematisiert die kommerzielle Annäherung von Herstellern und Dienstleistern aus den Bereichen Bau und Versorgung an das Thema Flucht und Unterstützung.

Weiterführende Infos und Diskussionen werden im Rahmenprogramm ermöglicht.
Eine Veranstaltungsreihe in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Initiative Bremen.

Öffnungszeiten: montags, 17- 20 Uhr und samstags, 14- 17 Uhr
Ort: St. Jürgenstr. 102

Weitere Veranstaltungen finden Sie unter Termine:

Hintergrund

Es beginnt im Sommer 2015. Immer mehr nach Bremen geflüchtete Menschen treffen hier auf eine Aufnahmestruktur, die von Mangel geprägt ist. Gleichzeitig wächst die öffentliche Aufmerksamkeit für die ankommenden Menschen. In dieser Zeit erreichen den Flüchtlingsrat viele Anfragen, aber auch eine Vielzahl von Emails mit konkreten Angeboten zur Unterstützung.
Einiges lässt sich schnell vermitteln: Getränkespenden für ein Fest oder Wohnungsangebote an Suchende. Doch beim Großteil der Angebote verhält es sich anders: Ihnen sei zu Ohren gekommen, beginnen manche dieser Schreiben zögerlich und akute Probleme des Ansturms und Engpässe seien der Anlass, sich an uns zu wenden. In Zeiten zunehmender Zuwanderung aus internationalen Krisengebieten bietet sich der Absender als Full-Service-Partner an, um diese Platzproblematik sinnvoll zu bewältigen. Konkret geht es dabei um Verkaufsangebote für Mobiliar und Container. Wir werden zu Besichtigungsterminen eingeladen…

Zeitgleich berichten uns nach Bremen geflüchtete Menschen von der konkreten Situation in den „Unterkünften“ (taz vom 230815). Es zeigen sich die Fehlplanungen und -investionen der letzten Jahre u.a. in den sozialen Wohnungsbau. Nach wie vor wird in die teure Containerunterbringung investiert und deren Preise steigen. Die Nachfrage bestimme den Preis, heisst es von allen Seiten. Und es geht wiedermal zu Lasten der Schutzsuchenden. Derjenigen, die fremdbestimmt untergebracht, versorgt und betreut werden.

Mit 950€ monatlich beziffert Bremen den Aufwand für die Grundversorgung Geflüchteter (Stand: 2015). Dazu zählen Unterbringung, Bewachung, soziale Betreuung und Lebensmittel. Veröffentlicht wurde diese Zahl in der aktuellen Recherche „Flüchtlinge als Geschäftsmodell“ von correctiv! Mehr

In diesem Zusammenhang betonte Bernd Mesovic, stellvertretende Geschäftsführer von Pro Asyl in der ZEIT: „Betrachtet man die Summen, die von Europa in die Sicherheitsapparate fließen und vergleicht sie mit der Unterstützung zum Schutz der Menschen- oder Flüchtlingsrechte, so werden Prioritäten sichtbar.“

Einen Einblick gewährt die aktuelle Ausstellung.

Im Januar 2016 zitiert die taz den Ifo-Präsidenten Hans-Werner Sinn, es sei ein „temporärer konjunktureller Effekt vielleicht für zwei, drei Jahre“. Wir werden sehen.

Letztlich gilt aber: Geflüchtete brauchen und wollen keine Container und kein Zelt. Kein Provisorium sondern Zugang zu nachhaltiger Teilhabe.
Sie haben ein Recht auf Wohnen in Privatwohnungen, auf bedarfsgerechte professionelle Unterstützung, auf Teilhabe und Selbstbestimmung.