Fachtag zur geschlossenen Unterbringung

Jugendhilfe hinter Gittern?
Unlängst hat der Senat der Hansestadt Bremen beschlossen, eine geschlossene Einrichtung für Minderjährige im Rahmen der Jugendhilfe zu schaffen. Das Jugendhilfesystem ist überlastet. Die Wohn-, Lebens- und Betreuungssituation für minderjährige Flüchtlinge ohne Eltern ist beschämend schlecht, die Polizei bildet Sonderkommissionen und die Politik ist bereit in die Grauzonen der Hilfe zur Erziehung vorzustoßen: Mit einem 3-Stufen Konzept auf dem Gelände der JVA Oslebshausen: 1. Stufe geschlossen, 2. Stufe fakultativ geschlossen, 3. Stufe offen. Doch was bedeutet eine geschlossene Unterbringung (GU) ausgerechnet für die Rechtlosesten, die minderjährigen Gefl ohenen ohne Eltern und welche Alternativen könnte es geben? Denn die GU soll ausschließlich auf Jugendliche mit Fluchterfahrung zugeschnitten sein, dabei ist Delinquenz nicht herkunftsspezifisch.

Kann ein Jugendlicher durch Fachleute intensiv begleitet werden und in seiner eigenen Wohnung leben? Könnten für das Geld, das eine geschlossene Einrichtung pro Jugendlichen kostet, mehrBetreuerInnen in Vollzeit beschäftigt werden?

Welche Erfahrungen wurden in Bremen mit geschlossenen Unterbringungen in der Vergangenheit gemacht? Diesen und anderen Fragen möchten wir mit Fachleuten auf den Grund gehen.

15. Juni 2015, 10- 17 Uhr, Stadtbibliothek Bremen

Der Fachtag richtet sich an Fachkräfte aus dem Bereich Soziales, Jugend, Familie, Migrations- und Flüchtlingsberatung, Ehrenamtliche und Interessierte. Die Teilnehmendenzahl ist begrenzt.
Teilnahmebeitrag nach Selbsteinschätzung. Anmeldung unter: fachtag[at]fluechtlingsrat-bremen.deWir bitten um Anmeldung per Mail!

Vorträge:

(1) Praktizierte Punitivität? Die Geschlossene Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in der Jugendhilfe. Prof. Dr. Michael Lindenberg, Hamburg, Sozialarbeiter und Kriminologe

(2) Widerstand gegen die Instrumentalisierung Sozialer Arbeit durch (Kriminal-)politik.
Prof. Dr. Frank Bettinger (Bremer Institut für Soziale Arbeit und Entwicklung / Arbeitskreis kritische Soziale Arbeit Bremen)

Workshops:

(1) Raus bist du noch lange nicht, sag’ mir erst, wie alt du bist. Altersfestsetzung, Unterbringung und Umverteilung – über kindeswohlgefährdenden Umgang mit unbegleiteten (minderjährigen) Flüchtlingen (UMF).
Sylvi Pfeifer (Fluchtraum Bremen), Marc Millies (Flüchtlingsrat Bremen)
(2) Psychosoziale Bedürfnisse von traumatisierten UMF’s – Psychotraumatologie und Praxiserfahrungen.
Ralph Keller, Dipl.-Sozialpädagoge, Dipl.-Musiktherapeut (REFUGIO Bremen)
(3) Bestandsaufnahme aufenthalts- und strafrechtlicher Rahmenbedingungen.
Rechtsanwalt Philip Martel, Bremen, Claudia Jacob, Dipl.-Sozialpäd. (Flüchtlingsrat Bremen)
(4) Hilfe nach »Abstammung«? Pädagogische Ungleichbehandlung von besonders Schutzbedürftigen.
Mark Birnstiel (Bremer Institut für Soziale Arbeit und Entwicklung / Arbeitskreis kritische Soziale Arbeit), Sofia Leonidakis (Flüchtlingsaktivistin)

Eine Veranstaltung vom Arbeitskreis kritische Soziale Arbeit, BISA+E und Flüchtlingsrat Bremen in Kooperation mit dem Bremer Bündnis Soziale Arbeit

Flyer