Pädagog_innen gegen Abschiebung

Bildung und Bleiberecht

Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichem rechtlichen Status oder Ausweis besuchen hier Kindergärten, Schulen, Jugendhäuser und Wohngruppen. Sie sind Teil unserer Gesellschaft. Wir treten gegen die Abschiebung der Kinder ein. Alle Kinder haben ein Recht auf Bildung, Unterstützung und Selbstbestimmung. Eine geplante Abschiebung fordert sowohl uns als Pädagog*innen als auch das Umfeld in besonderer Weise heraus.

Wir sind:

…Lehrer*innen, die sich gemeinsam mit dem Flüchtlingsrat Bremen gegen geplante Abschiebungen von Kindern und Jugendlichen aus unserem Umfeld einsetzen.

Wir halten es für notwendig, dass Kinder, die hier leben, ohne Angst vor Abschiebung lernen und aufwachsen können.

Wir möchten all unsere Schüler*innen zum Denken, Handeln und zur Eigeninitiative anregen.

Wir treten auch dann öffentlich gegen die Abschiebung der Kinder und Jugendlichen ein, wenn sie nach der geltenden Rechtsprechung möglich ist!

 

Was wir machen:

Wenn wir vor Ort mit einer drohenden Abschiebung konfrontiert sind, werden wir den Kindern, Jugendlichen und ihren Familien Unterstützung anbieten und uns – wenn sie es wünschen – öffentlich gegen die Abschiebung positionieren.

Wir stellen Infomaterialien und Hilfe für andere betroffene Pädagog*innen zur Verfügung, die ebenfalls mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, die von Abschiebung bedroht sind.

Unser Material soll andere Lehrer*innen unterstützen, bzw. ihnen Anregungen geben, Aufklärungsarbeit an Schulen zu leisten, um sich dann gemeinsam mit den Schüler*innen gegen die Abschiebung ihrer Mitschüler*innen zu wehren und so die Betroffenen zu unterstützen.

Wir handeln in pädagogischer Verantwortung gegenüber allen Kindern und Jugendlichen, für die wir zuständig sind. Auch für die nicht selbst betroffenen Schüler*innen ist die Erfahrung der Abschiebung unverständlich und bedrohlich. Es geht somit auch darum, der Ohnmachtserfahrung der Kinder etwas entgegen zu setzen.

Insbesondere für andere Kinder mit Migrationshintergrund kann das Erleben der Abschiebung in unmittelbarer Nähe ein Gefühl prekärer Zugehörigkeit verstärken. Wir wollen Räume öffnen, um ihnen eine Auseinandersetzung mit diesen Fragen und Ängsten zu ermöglichen.

Dabei achten wir darauf, nicht über die Köpfe der Betroffenen hinweg zu handeln.

Wenn diese das wünschen,

  • unterstützen wir die Peergruppe der von Abschiebung bedrohten Kinder und Jugendlichen und schaffen Räume, in denen diese sich aktiv gegen die Abschiebung einsetzen können.
  • unterstützen wir nach unseren Möglichkeiten bei den anstehenden Entscheidungen, bei der Öffentlichkeitsarbeit.
  • organisieren wir eine öffentliche Präsenz der professionellen Begleiter (Lehrer/innen, Sozialarbeiter/innen usw.).
  • unterstützen wir die Familien nach unseren Möglichkeiten bei den anstehenden Entscheidungen.

Hintergrund:

Eine aus Serbien geflüchtete Schülerin, die unsere Schule besucht, sollte mit ihren Eltern und Geschwistern „freiwillig ausreisen“. Die Familie gehört zur Minderheit der „Roma“ und musste im „sicheren Herkunftsland Serbien“ Schlimmes erleiden.

Wir wollten mit einer Aktion auf das Schicksal dieser Menschen aufmerksam machen und versuchen zu bewirken, dass diese Schülerin mit ihrer Familie in Deutschland bleiben kann.

Nach einer gemeinsamen Infoveranstaltung für alle Schuler*innen der Schule haben diese Postkarten an den Innensenator geschrieben. Diese haben wir am Nachmittag dem Innensenator im Beisein der Medien überreicht.

Die Familie, die im September 2016 ausreisen sollte, hat bis heute eine Duldung.

Warum machen wir das:

Besonders schwer zu verarbeiten sind potenziell traumatisierende Belastungssituationen wie eine Abschiebung, wenn diejenigen, die als Vertrauenspersonen betrachtet werden, keinen Schutz bieten können. Für die Betroffenen ist es ein großer Unterschied, ob sie Solidarität und Empörung oder Gleichgültigkeit erfahren. Insbesondere eine geräuschlos vollzogenen Abschiebung wirkt auf alle Kinder und Jugendlichen gewaltvoll und erzeugt Ohnmachtsgefühle. Die Kinder haben uns Vertrauen entgegen gebracht und dürfen unsere Anteil- und Parteinahme erwarten.

Wir kommen mit der Forderung des Bleiberechts unserer Fürsorgepflicht gegenüber den betroffenen Kindern, Jugendlichen und Familien nach. Ihre Abschiebung hat in aller Regel katastrophale Auswirkungen auf ihre psychische und soziale Situation.

  1. Die Kinder und Jugendlichen werden mit der Abschiebung aus ihrem selbstverständlich gewordenen Lebensumfeld, aus einer als (mehr oder weniger) sicher erlebten Lebenssituation herausgerissen. Dies kann traumatisierend wirken, zumal viele Familien eh schon durch die Fluchterlebnisse traumatisiert sind.
  2. Die Kinder erleben die Familiensituation als ungeschützt. Sie kennen oder spüren auch aus den Erzählungen und Ängsten der Eltern, die erlebten Traumata im Herkunftsland, die Rassismuserfahrungen hier in Deutschland, die ungewisse Perspektive und die oft prekären sozialen Lebensverhältnisse.
  3. Nicht zuletzt bedeutet die Abschiebung oft den absoluten Bruch im Bildungsweg der Kinder. Sie werden in ein Land abgeschoben, zu dem sie oft überhaupt keine Beziehung haben, vor dem sie Angst haben und dessen Sprache sie nicht (mehr) sprechen.

Weitere Infos:

Hier ist der Link zur Kinderrechtskonvention: https://www.kinderrechtskonvention.info/
Und hier ein Link zu A.P.A.K (Arbeitskreis pädagogischer BegleiterInnen für von Abschiebung bedrohter Kinder): www.gew-hamburg.de/sites/default/files/download/aktuelle-meldungen/apak_broschuere.pdf

Und hier der Verweis auf Materialien für Schulen auf unserer Homepage:

Materialien